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 MARKTBRUNNEN

zu Historische Gebäude Nr. 33

Der Kiedricher Marktbrunnen und Albrecht von Brandenburg

Der alte Marktbrunnen, einst lebensnotwendiges Erfordernis einer Ansiedlung, war vor 1393 angelegt worden, wie eine Urkunde ausweist, und hatte seinen Standort vor dem Rathaus. Dort ist sein Schacht mit 5,15 m Tiefe erhalten und führt noch Wasser. Er war als Ziehbrunnen gestaltet; im 19. Jh. wurde er zum Pumpbrunnen umgebaut. Bei der Einführung der Wasserleitung (1897) brach man alle oberirdischen Teile ab und deckte den Schacht zu. Ab den 30er Jahren des 20. Jh. fand man an den verschiedensten Stellen der Gemeinde wesentliche Teile des ehemaligen, in der Renaissance neu gestalteten Aufbaus. Man dachte an eine Restaurierung, die dann 1994 im Zeichen der 750jahrfeier der selbständigen Gemeinde Kiedrich auch gelang. Eine Aufstellung am alten Platz scheiterte am heutigen Verkehr, und so wurde er als Laufbrunnen an die hohe Kirchhofsmauer angelehnt.


Abb. 1 Kiedricher Marktbrunnen

Zwei Pfeiler tragen einen breiten Architrav, an dem ehemals die Rolle mit dem Seil befestigt war, und darüber einen rundbogigen Aufsatz mit 2 Wappen: rechts das der Gemeinde Kiedrich mit der Burg Scharfenstein und den zwei Mainzer Rädern, links das des regierenden Landesherrn, Erzbischof, Kurfürst und Kardinal Albrecht von Brandenburg. (Ein ähnlicher Schmuck wurde auch an dem 1586 vollendeten Rathaus angebracht mit dem Wappen des dann regierenden Landesherrn Wolfgang von Dalberg). - Der zugehörige Brunnentrog wurde erst 1996 wieder entdeckt, restauriert und aufgestellt. Der Überbau trägt seitlich am Architrav das Meisterzeichen seines Schöpfers, des Steinmetzen Moritz Lechler, der u.a. auch den Ratsbrunnen in Oppenheim schuf. Die Inschrift des Architravs meldet in schöner Capitalis-Schrift: ANNO DOMINI 1541 IST DIS WERCK GEMACHT WORDEN. Vorbild des ganzen Aufbaues war wohl der Mainzer Marktbrunnen des Dietrich Schro von 1526, ebenso geziert mit dem (elffeldrigen) Brandenburgwappen.

                                                                               
                                                                               Abb. 2 Steinmetzzeichen von Moritz Lechler


Abb. 3 Kiedricher Marktbrunnen, Architrav

 


Den Rundbogen auf dem Architrav schmücken das Kiedricher Wappen und das Wappen des Mainzer Landesherrn, Kurfürst und Kardinal Albrecht von Brandenburg.

 

In Kiedrich wurde das siebenfeldrige Wappen des Kardinals gewählt, wie wir es von Dürers "Kleinem Cardinal" her kennen. Es zeigt in der Mitte drei Herzschilde mit den Wappen seiner Bistümer: Mainz, Magdeburg und Halberstadt; die vier Außenfelder bringen eine Reihe der weltlichen Titel des Kardinals: rechts oben Markgraf von Brandenburg, rechts unten Herzog von Pommern, links oben Burggraf von Nürnberg und links unten Graf von Hohenzollern. Die stilgerechte Restaurierung verdanken wir dem Kiedricher Steinmetzmeister Robert Frank Schmidt, der dazu noch die nicht wieder aufgetauchten Pfeiler schuf und sie der Gemeinde schenkte, überhaupt ist die ganze Restaurierung ausschließlich von Spendern finanziert worden. Allen gebührt herzlicher Dank für ein wiedergewonnenes Geschichts- und Kunstdenkmal, das als einziges im Rheingau an den Brandenburger und seine Epoche erinnert.

LINK: Informationen zu Albrecht von Brandenburg

Abb. 4  Das siebenfeldrige Wappen


 

Literatur: 
MONSEES, Yvonne und STAAB Josef: Der Kiedricher Marktbrunnen, in: Kiedrich im Rheingau 1244-1994, 
                      Zeugen aus 750 Jahren Selbständigkeit.
                      Herausg. Förderkreis Kiedricher Geschichts- und Kulturzeugen e.V. Kiedrich 1994, S. 74 ff.
KREBS, Falk: Moritz Lechler, der Meister des Marktbrunnens in Kiedrich, in: RHEINGAU FORUM 1/1995
   

FENZL, Rudolf, Kiedrich,  Dez. 1990, EIN HOHENZOLLER IN MAINZ- ALBRECHT von BRANDENBURG - sein Leben und Wirken:
                                                       zusammengestellt zur Einweihung 
des Hist. Marktbrunnens auf dem Marktplatz/Kirchhofsmauer  
                                                        LINK: Informationen zu Albrecht von Brandenburg

       
Text:  
STAAB, Josef, Dr.h.c.           

Fotos:  Abb. 1, 2, 3, 4,    Werner Kremer ( 05/2005 u. 01/2006)              

Letzte Aktualisierung: Werner Kremer 05.02.2006

© : FÖRDERKREIS KIEDRICHER GESCHICHTS- UND KULTURZEUGEN e.V.

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